Ein Tag im Juli! Jedes Jahr und jeden Tag wieder!
Ich habe in meinem Leben schon viel erlebt, aber dieser Tag damals im Juli, wird mich immer begleiten. Und das ist auch gut so!
In meinem jugendlich Dasein habe ich mal wieder die komplette Nacht durch gemacht und kam erst sehr spät bzw. früh nach Hause! Für mich fingen die Wochenenden schon damals am Donnerstag an und waren erst am Montagmorgen zu ende, wenn ich mich neben meinem Banknachbarn im Physikunterricht wieder fand!Aber jetzt hatte ich sowieso Ferien und da war jeder Tag Wochenende!
Dieser Sonntag glich bei der ersten Betrachtung jedem anderen Sonntag. Lange schalfen und aufstehen, wenn es mir danach beliebte. ABER, dieser Sonntag hat mein Leben auf den Kopf gestellt! Ich war immer ein großer Anhänger der Ausnüchterung im Freien und das habe ich auch diesen Sonntag so praktiziert, indem ich mein Chillplätzchen im elterlichen Garten aufschlug! Damals hätte man wohl eher gesagt, dass ich einfach halb tot und faul in der Gartenliege hing, aber noch aktiv genug, dass ich einen Walkman bedienen konnte! (Für meine jungen Blogleser:Walkman=Kassettenabspielgerät, also die Floppy-Disk unter den heutigen MP3-Spielern) Damals mußte man noch öfters mal die Kassetten wechseln, was mich dazu zwang meine super Gartenliege das ein odere andere Mal zu verlassen, um mir neuen Stoff für meinen Walkman zu holen. Auf einem dieser Wege zu meiner Musikbibliothek wurde ich durch einen Anruf gestoppt! (Anmerkung: Es gab schon Handys, die waren aber so groß wie Mikrowellen und noch nicht sehr preiswert) Dieser Anruf sagte mir nur:”Utz, komm mal bitte ins Krankenhaus!” Meine Reaktion und Antwort wurde gar nicht mehr abgewartet, daher wußte ich, dass ich wohl nicht ganz richtig gehandelt habe in der Vergangenheit und jetzt meinen Arsch bewegen muß und sollte!
Die Krankenhausprivatstation war nett, ich hatte sie vorher nie betreten, weil es keinen Anlaß für mich dafür gab. Ich war das erste Mal hier und mußt mich etwas durchfragen bis ich zu dem Zimmer kam, in dem mein Vater lag!
Die nächsten Nächte habe ich damit verbracht zu arbeiten. Ich habe mir jede Nachtschicht bei den Kieler Nachrichten geben lassen, damit ich einfach nur abgelenkt war. Dieser Schlafentzug hat mich fast die Hand gekostet, weil ich unachtsam wurde und mit meiner Hand in ein Fließband geraten bin! Die Verbrennungen werde ich nie vergessen! Nach diesem Unfall habe ich mich wieder der Realittät gestellt, denn ich war wieder im gleichen Krankenhaus, wie am Sonntag.
Aus dem Sonntag, der mein Leben umbaute, die Zukunpft anderer und mir gänzlich trübte und mich heute noch sofort traurig werden läßt, wurde Montagmorgen.
Genau an diesem Montagmorgen gab es einen zweiten Anruf in der Früh, der mich auch prägen sollte. Meine zukünftige Gastfamilie aus den USA rief an, um zu fragen, wie es mir geht! Es war der erste telefonische Kontakt! Sie klangen so lustig und freundlich, sympathisch und einfach cool. Genau einen Monat später, flog ich für ein Jahr in die USA/California! Ich war da 18! 91 startete der erste Irakkrieg!
Ich hatte damals meine Gastmutter am Telefon, die so happy am Telefon klang. Ich konnte ihr nur mit meinem schlechten English antworten:”Sorry, my Dad died couple hours ago….!”
September 26, 2009 um 12:36 vormittags
Vor einiger Zeit hatte ich das Vergnügen mit einem Mann sprechen zu dürfen, der bereits einige Jahrzehnte vor mir das Licht der Welt erblickte. Er erzählte mir Geschichten von seiner Jugend, Geschichten von seiner großen Liebe, mit der er übrigens immer noch zusammen ist und er erzählte mir von ihrer schweren Krankheit, die sie ihm bald wegnehmen würde. Das war sicher. Und dann sagte er mir etwas, dass ich niemals vergessen werde: “Torsten, meine Frau wird bald sterben. Vielleicht in einem Monat. Vielleicht morgen. Aber wenn sie geht, dann bleibt sie doch bei mir. Hier, in meinem Herzen. Und das ist das Schöne, Erinnerungen sind das Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.”